Ausleitungsverfahren

Die Ausleitungstherapie gibt es in allen Volksheilkunden. Sie gehören zu den ältesten bekannten Behandlungsverfahren und basieren auf dem körperlichen Grundprinzip der Ausleitung von Giftstoffen. Die so genannte Ausleitung ist wörtlich zu nehmen und soll an der Körperstelle ausgeführt werden, an der sich die Gifte gestaut haben. Tut beispielsweise der Magen weh, führt man Erbrechen herbei, bei Darmproblemen wird der Darm entleert. Das soll die Vergiftung und damit die Krankheit aus dem Körper ziehen. Ziel der Ausleitungsverfahren ist es, Funktionsstörungen aufzuheben und so das Gleichgewicht im Stoffwechsel wiederherzustellen. Bekannte Ausleitungstherapien sind unter vielen anderen der Aderlass, das Baunscheidtieren, die Blutegelbehandlung, das Brechverfahren, die Cantharidenpflaster oder das Schröpfen. Der Aderlass hat aufgrund seiner exzessiven Anwendung in früheren Jahrhunderten einen schlechten Ruf. Seine Anhänger halten ihn jedoch für das Mittel der Wahl gegen Herz-Kreislauf-Beschwerden und Angina Pectoris. Durch die Blutentnahme werde der Körper gezwungen, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und somit das Blut dünnflüssiger. Beim Baunscheidtieren wird die Haut mit dem so genannten Baunscheidt-Gerät, einer Rolle mit Nadeln, perforiert. Danach wird die mit Ölen behandelt. Es bilden sich Quaddeln, in denen sich die Schlacken sammeln sollen. Die Blutegeltherapie ist seit Jahrtausenden bekannt und wird heute auch in der Schulmedizin wieder eingesetzt. Blutegel können bei Krampfader, Besenreißern und Venenleiden helfen. Sie sollen ebenfalls gegen Arthrose oder Tinnitus wirken. Ausgehend von der Beobachtung, dass Kinder bei Krankheit oft brechen ist das Ziel des Brechverfahrens, den Magen zu entleeren. Das Auflegen von Cantharidenpflastern wird auch als weißer Aderlass bezeichnet, da sich eine mit Lymph-Flüssigkeit gefüllte Blase bildet. Über sie werden Giftstoffe ausgeleitet. Schröpfen ist ein Ausleitungsverfahren, das auch bei vielen Kuren angewendet wird. Hier unterscheidet man zwischen dem trockenen und dem blutigen Schröpfen. In beiden Fällen werden erhitzte Glassaugglocken, die Schröpfköpfe, auf die Haut aufgebracht. Dadurch entsteht ein Vakuum und die Haut wird in die Glocke gesaugt. Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vorher angeritzt. An der geschröpften Stelle entsteht ein Bluterguss, der die Abwehrmechanismen des Körpers anregen und die Heilung beschleunigen soll.

Gegenanzeigen

Gegen den Einsatz eines Aderlasses sprechen Blutarmut, ein niedriger Blutdruck oder die Bluterkrankheit. Gegenanzeigen gegen das Baunscheitieren sind allergische Reaktionen, Hautkrankheiten oder Juckreiz. Blutegel sind nicht geeignet für Menschen mit Blutarmut, einem schwachen Kreislauf, Blutgerinnungsstörungen (Bluter), Allergien auf Blutegelbisse und für Schwangere oder stillende Mütter. Gegen die Behandlung mit Brechmitteln sprechen eine bekannte Magenreizung und in jedem Fall ein Magenkarzinom. Cantharidenpflaster reizen die Harnwege, daher sind Harnwegs- und Nierenentzündungen Gegenanzeigen. Ebenso gelten offene Wunden, Schleimhäute und arterielle Areale als nicht zu behandeln. Auch Herz-Kreislauf-Beschwerden, Durchblutungsstörungen und Kontaktallergien auf Pflasterklebstoff sprechen dagegen. Nicht geschröpft werden sollten akut entzündete Hautareale, sehr dünne oder durch radioaktive Behandlung gereizte Haut. Auch erhöhte Blutungsneigung gehört zu den Gegenanzeigen.



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